Neues Teilprojekt B09 bewilligt: „Was gesehen wird. Geschichte und Gegenwart algorithmischer Empfehlung“
Der SFB 1472 „Transformationen des Populären“ freut sich, das neue Teilprojekt B09 begrüßen zu dürfen, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die laufende zweite Förderphase bis Ende 2028 bewilligt worden ist. Unter dem Titel „Was gesehen wird. Geschichte und Gegenwart algorithmischer Empfehlung“ untersucht es die historische Genealogie, die epistemologischen Voraussetzungen und die kulturellen Effekte algorithmischer Empfehlungssysteme, wie sie heute auf Streaming-Plattformen operieren.
Prof. Dr. Daniela Wentz (Seminar für Medienwissenschaft, Universität Siegen) leitet das Teilprojekt. Ihre Arbeiten zur televisuellen Ästhetik, zur Fernsehserienforschung und zur Kritik algorithmischer Systeme bilden die unmittelbare Vorarbeit. Als Postdoktorandin ist Dr. Laura Hille beteiligt, Expertin für Critical Algorithm Studies, deren Forschung medienwissenschaftliche Theoriebildung mit diskurs- und ideologiekritischen Ansätzen verbindet.
Das Projekt verfolgt eine doppelte Fragestellung. Zum einen rekonstruiert es genealogisch die historischen Voraussetzungen algorithmischer Empfehlung: von der empirischen Rundfunk-Zuschauer:innenforschung seit den 1920er-Jahren über die Anfänge der Recommender Systems in den 1970er-Jahren bis hin zu den hybriden Machine-Learning-Verfahren der Gegenwart. Zum anderen analysiert es die aktuellen Sichtbarkeitsregime der großen Streaming-Plattformen: Welche Daten, Metriken und Interface-Logiken entscheiden heute darüber, was empfohlen, was sichtbar und was populär wird? Damit schließt B09 an eine zentrale These des SFB an: dass algorithmische Empfehlungssysteme das Populäre nicht nur sichtbar machen, sondern es herstellen.
Wir heißen Daniela Wentz und Laura Hille herzlich im SFB 1472 willkommen!