Was gesehen wird. Geschichte und Gegenwart algorithmischer Empfehlung
B09 (seit 2026)
Leitung
Mitarbeit
Algorithmische Empfehlungssysteme messen und gestalten fortlaufend, was bei vielen Beachtung und Anklang findet – und zwar nicht länger nur ex post, als Aggregat individueller Präferenzen, sondern zunehmend ex ante, als Intervention in Erwartungshaltungen, Aufmerksamkeitsökonomien und kulturelle Zirkulation. Die Verschiebung von der retrospektiven Repräsentation zur operativen Prognose markiert eine neue Phase in der Geschichte des Populären, in der dessen Definition, Zirkulation und Bewertung, ja sogar Produktion, zunehmend durch algorithmische Verfahren mitstrukturiert ist.
Diesen Entwicklungen widmet sich das Teilprojekt. Es untersucht algorithmische Empfehlung als Verfahren der Popularisierung zweiter Ordnung – in ihren historischen und epistemologischen Voraussetzungen wie in ihren kulturellen Effekten. Denn auch wenn die Logiken algorithmischer Empfehlung oft als bloße Folge des Digitalen diskutiert werden, haben sie weiterreichende Genealogien. Das Projekt erforscht, wie im Broadcasting Mess- und Testkulturen entstanden sind, die jene Logiken vorbereiteten, auf denen algorithmische Empfehlungssysteme heute aufbauen – und zeichnet zugleich nach, wie diese Systeme sich technisch entwickelt und durchgesetzt haben.
Von dort aus richtet es den Blick auf die Gegenwart: auf die Art und Weise, wie insbesondere Streaming-Plattformen Popularität heute produzieren und operationalisieren. Welche Daten, Metriken und Oberflächenlogiken entscheiden darüber, was sichtbar wird, was empfohlen wird und wie „Beachtung durch viele“ als Relevanz ausgewiesen wird? Wie entsteht dadurch auch problematische Popularität – und wie schreiben sich die Popularisierungslogiken in die Formen des Populären selbst ein?