Past­ness in the making. Von der Touri­sti­fi­zie­rung der verräum­lich­ten Zeit in der Vergan­gen­heit (2019)

Inhalt

Geschichtstourismus ist ein Phänomen, das sowohl in der Tourismusforschung als auch in den der Public History zugewandten Geschichtswissenschaften eine wichtige Rolle spielt. Dennoch gab es bislang keinen Versuch, eine Theorie dieser speziellen Ausprägung von Geschichtspopularisierung zu schaffen, weder für den gegenwärtigen Geschichtstourismus noch für jenen in der Vergangenheit der letzten zweihundert Jahre. Der Beitrag bietet einen Ansatz, das Forschungsdesiderat eines geschichtstouristischen Analysemodells zu schließen. Seine leitende These geht davon aus, dass der touristische Blick auf die Geschichte vor Ort an einem Reiseziel einen eigenen oder zumindest spezifischen Charakter aufweist, der sich von anderen Formen der Geschichtspopularisierung und ihren Rezeptionsgewohnheiten sichtbar unterscheidet. Die jedem Tourismus eigene Wahrnehmungspraxis, die Alltägliches in Außergewöhnliches überführt und so als ‚touristisch wertvoll‘ konsumierbar macht, vermischt sich mit der im Konsum populärgeschichtlicher Inhalte üblichen Bereitschaft, das Wahrgenommene als historisch einzustufen, zu etwas Neuem. So entsteht durch die Touristifizierung von Zeit ein neuer Blick.

Zitierweise

Angela Schwarz: Pastness in the making. Von der Touristifizierung der verräumlichten Zeit in der Vergangenheit, in: dies./Daniela Mysliwietz-Fleiß (Hrsg): Reisen in die Vergangenheit. Geschichtstourismus im 19. und 20. Jahrhundert, Wien/Köln/Weimar, S. 25-44.