Als die Geis­tes­wissen­schaf­ten popu­lär waren. West­deut­sche Schreib­weisen, Lektüre­prak­ti­ken, Verlags­poli­ti­ken um 1970 (2025)

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Inhalt

Worauf ist das „goldene Zeitalter“ der Geistes­wissen­schaften in der Bundes­republik zurück­zuführen, das von den 1960er Jahren bis weit in die 1980er andauerte? Ein Effekt der Bildungs­expan­sion? Eine Folge der gesell­schafts­kritischen Emphase rund um 1968? Als die Geistes­wissen­schaften populär waren erprobt eine weitere Erklä­rung: Das goldene Zeitalter der Geistes­wissen­schaften ist das Zeitalter des wissen­schaftl­ichen Taschen­buchs. Publi­kums­verlage, die geistes­wissen­schaft­liche Texte massen­haft verfügbar machen; Taschen­buch­reihen, die es auch Studie­renden ermög­lichen, Biblio­theken anzu­legen; und Autor:innen, die im Bewusst­sein dieser Verbrei­tungs­möglich­keit schreiben: das Geschehen auf dem Taschen­buch­markt ist Treiber der Expan­sion der Geistes­wissen­schaften – und verwandelt sie so radikal.
Die Beiträge diskutieren diesen Befund anhand von eminenten Taschen­buch­geschichten – Fälle von Erfolgs­titeln, in denen Entste­hung und Rezep­tion mit dem Buch­markt­gesche­hen in engem Zusammen­hang stehen: R. Barthes’ Mythen des Alltags (Ruth Signer); J. Jacobs’ und A. Mitscherlichs Stadt­forschungen (Hanna Böge); J. Haber­mas’ Erkenn­tnis und Interesse (Morten Paul); M. Hork­heimers Autori­tärer Staat (Sven Gring­muth); die popu­läre Reich- (Yanara Schmacks) und Benjamin-Rezep­tion (Detlef Siegfried); das Funk­kolleg Sprache (Marius Albers); H.P. Duerrs Traum­zeit (Rosa Eidelpes) und A. Davis’ Rassis­mus und Sexis­mus (Samira Spatzek). Thema­tisiert wird aber auch das litera­rische Leiden an den Geistes­wissen­schaften in K. Strucks Klassen­liebe (Fabienne Steeger) und es wird ein Seiten­blick auf europä­ische Theory in den ameri­kani­schen Huma­nities (Gregory Jones-Katz) geworfen. So entsteht ein viel­schich­tiges Bild dies­seits nostal­gischer Verklä­rung, das auch den Blick auf die Gegen­wart geistes­wissen­schaft­lichen Publi­zierens schärft.

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Zitierweise

Döring, Jörg und Morten Paul (Hg.): Als die Geistes­wissen­schaften populär waren. West­deutsche Schreib­weisen, Lektüre­praktiken, Verlags­politiken um 1970. Wies­baden.