Diesseits von High und Low: Zur Verteilung von Beachtung
Vortrag im Rahmen der interdisziplinären Vorlesungsreihe Von Tolkien bis TikTok. Dynamiken populärer Kultur an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Niels Werber
Diesseits von High und Low: Zur Verteilung von Beachtung
Populär ist, was bei vielen Beachtung findet. Beachtungserfolge werden gemessen und inszeniert: Rankings und Charts geben über das Populäre Auskunft und werben ihrerseits um Beachtung. Über die Qualität oder Originalität des Populären ist damit nichts gesagt, sondern allein über den nachweislichen Erfolg in heterogenen Bewertungsregimen. Das Populäre modifiziert all das, dem es Beachtung verschafft. Seine quantifizierenden und zugleich hierarchisierenden Vergleichsdispositive generieren Valenzen, die den Objekten von sich aus nicht zukämen. Ein Werk wird anders bewertet, wenn es ein Bestseller geworden ist. Umgekehrt läuft das Nicht-Populäre, das im Kontext dieser Vergleichsdispositive keine messbare Resonanz findet, Gefahr, als irrelevant oder wertlos zu gelten. Die „Hochkultur“ muss nach Gründen dafür suchen, warum sie anerkannt und gefördert werden soll, auch wenn sie wenig Beachtung findet.
Gegen die in Europa bereits um 1800 wirkmächtige Leitdifferenz von high culture vs. low culture erhält im Verlauf des 20. Jahrhunderts eine konkurrierende Unterscheidung immer mehr Gewicht: die Unterscheidung des Populären und des Nicht-Populären. Die Verteilung von Beachtung folgt nicht länger der Unterscheidung von high und low, sondern Kultur- und Soziotechniken des Populären wie Rankings und Einschaltquoten. Der Vortrag stellt an einigen exemplarischen Beispielen die Konflikte vor, die im Zuge dieser Entgrenzung des Populären zu beobachten sind.
Weiterführende Informationen zur Vorlesungsreihe Von Tolkien bis TikTok. Dynamiken populärer Kultur sowie das vollständige Veranstaltungsprogramm finden Sie auf der Website der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.
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