Einladung zur Bewerbung: SFB-Springschool „Popularität divers – diverse Popularität“

Springschool 2027: Popularität divers – diverse Popularität
Das Populäre ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Für die meisten Menschen scheint klar, was darunter zu verstehen ist: Fasst man das Populäre positiv, dann ist es das Beliebte, das Reizvolle, das allen Geläufige. Vielleicht etwas Volkstümliches, das im Gegensatz zum (vermeintlich) Elitären steht. Wenn das Populäre hingegen kritisch betrachtet wird, dann wird es mit dem Trivialen, dem Gemeinen, dem Schematischen gleichgesetzt. Dann identifiziert man es mit Massenkultur und Kulturindustrie. In unserem Sonderforschungsbereich (SFB) vermeiden wir bewusst Wertzuschreibungen und gehen von einer neutralen Bestimmung des Populären aus: Populär ist, was bei vielen Beachtung findet. Und diese Beachtungserfolge werden gemessen. Wie populär etwas ist, das zählt man aus. Wichtiger noch: diese Beachtungserfolge werden auch ausgestellt und inszeniert. Rankings und Charts geben über das Populäre Auskunft und werben ihrerseits um Aufmerksamkeit. Beachten soll man, was Beachtung gefunden hat. Der SFB untersucht die Dynamiken, die sich aus der Verschiebung von Beachtung in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Feldern ergeben – und in diesem Sinne Transformationen des Populären. Was ändert sich dadurch, dass man weiß, dass es populär ist?
In der anstehenden Springschool wollen wir in dezidiert interdisziplinärer Perspektive den thematischen Fokus auf Gender und Intersektionalität richten und dazu mit Ihnen als Forscher:innen, für die dieser Fokus in den eigenen Arbeiten relevant ist oder sein kann, ins Gespräch kommen. Gendersternchen, Ehe für alle, Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare, Geschlechtszuordnungen bei Behörden und in der Schule – alle diese Themen lassen sich längst nicht mehr als rein linguistische, juristische, kommunal- oder bildungspolitische Problemlagen abhandeln. Ob der Antifeminismus der Manosphere, Queerness in der Popmusik oder die ungleiche Bewertung weiblicher und männlicher Politiker:innen – Kontroversen um Gender und andere soziale Differenzkategorien prägen öffentliche Diskurse im 20. und 21. Jahrhundert. Als populäre Gegenwartsthemen in Politik, Kultur und Öffentlichkeit werden sie von den einen propagiert und zugleich von vielen anderen problematisiert. Wir werden uns in der dreitägigen Springschool mit Implikationen und Auswirkungen der Popularität auf Diskurse und Praxen im Bereich Gender und Intersektionalität auseinandersetzen, und zwar sowohl in historischer als auch in gegenwartsbezogener Perspektive. Die dabei verfolgten Fragestellungen zielen in zwei Richtungen: Einerseits soll im Fokus stehen, wie Gender und Diversity, Queerness und Intersektionalität auf Gegenstandsebene im Bereich des Populären verhandelt werden und welche Folgen sich aus der Beachtung durch viele ergeben. Über das anhand sich verändernder Praxen verhandelte Spannungsverhältnis hinaus sollen andererseits Veränderungen von sozialen Geschlechterhierarchien im Kontext von Transformationen des Populären in ihren je historischen und gesellschaftlichen Bedingungen und vor dem Hintergrund impliziter und expliziter Geschlechterdiskurse thematisch werden. Welchen Unterschied macht große oder geringe Popularität – etwa von queeren Personen oder gendersensiblen Praktiken – auf diese Diskursivierungen und Aushandlungen?
Wann: 10.–12. März 2027
Wo: Universität Siegen
Zielgruppe: Doktorand:innen / Early Career Researchers
Was machen wir: Wir werden uns in unterschiedlichen Formaten unserem Gegenstand nähern und dabei in Vorträgen, Workshop-Sessions, Lektüregruppen und Posterpräsentationen den Transformationscharakter des Populären im Bereich Gender und Intersektionalität mit Ihnen diskutieren.
Kosten: Die anfallenden Kosten für Übernachtung und Anreise werden vom SFB übernommen.
Bewerbung: Bitte schicken Sie uns ein Motivationsschreiben (im Umfang von etwa 300 Wörtern), aus dem hervorgeht, mit welchem Erkenntnisinteresse Sie Ihre Teilnahme verbinden. Idealerweise können Sie dabei auf eigene Arbeiten referieren und unsere Überlegungen zum Thema mit spannenden Einblicken aus Ihrer Forschung bereichern. Ein kurzes Biogramm, das Ihren wissenschaftlichen Werdegang kurz umreißt, komplettiert Ihre Bewerbung. Die Frist für die Einreichung ist der 30. September 2026.
Was wir von Ihnen erwarten: Die Bereitschaft, drei Tage lang mit uns intensiv über das Verhältnis von Diversität und Popularität nachzudenken, die Vorbereitung eines kleinen thematischen Inputs in Form eines Posters (Vorlagen werden bereitgestellt) sowie wissenschaftliche Neugierde.
Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!
Ansprechpartner:innen:
Prof. Dr. Veronika Albrecht-Birkner
Prof. Dr. Michael Multhammer
Mailadresse/Kontakt: bewerbung-springschool@sfb1472.uni-siegen.de