Eure ästhe­ti­schen Kate­go­rien

Konferenz

10. – 12. Februar 2027

Organisation & Kontakt:
Dr. Matthias Schaffrick

Schon in den 1950er Jahren ist der Befund klar: Auf den „größeren Teil der gegen­wärtigen Kunst“ lässt sich „die Kate­gorie des ‚Schönen‘ im alten Sinne gar nicht mehr anwenden“, schreibt Alfred Werner 1955 in der Zeit­schrift für philo­sophi­sche Forschung. Sechzig Jahre später geht Sianne Ngai in ihrem Buch über Our Aesthetic Cate­gories (2012) von dem gleichen Befund aus. Nicht das ‚Schöne‘ und das ‚Erhabene‘ seien die ästhe­tischen Kate­gorien, die unser ästhe­tisches Wahrneh­mungs­vermögen begriff­lich ordnen, sondern „Zany, Cute, Interesting“. Ngais Idee, den Blick auf die kleinen, alltäg­lichen ästhe­tischen Kate­gorien zu lenken, war vielen Leser:innen auf Anhieb einleuchtend, denn ihr Befund schien sich ohne große Mühe auf zahl­reiche Phäno­mene der popu­lären Kulturen und Künste über­tragen zu lassen: Comics, Cartoons, Fantasy, aber auch Produkte wie Handys, Schuhe, Mützen, Taschen.
Wenn Ngai ‚zany‘, ‚cute‘ und ‚interesting‘ als „unsere“ drei ästhe­tischen Kate­gorien vorschlägt, stellt sich unweiger­lich die Frage: Welche ästhe­tischen Begriffe, die ähnlich funktio­nieren wie ‚zany‘, ‚cute‘ und ‚interesting‘, gibt es eigent­lich noch? Man denke an ‚charmant‘, ‚deep‘, ‚epic‘, ‚nice‘ oder ‚krass‘. Das ist der Ausgangs­punkt dieser Tagung.
Im Fokus stehen ‚ästhe­tische Kate­gorien‘, die sich seit den 1950er Jahren heraus­kristal­lisiert haben, als Richard Hamilton ‚Pop Art‘ als „Witty, Sexy, Gimmiky, Glamorous“ definierte. Das war 1957. Die seitdem voran­schrei­tende Auswei­tung und Ausdiffe­renzie­rung ästhe­tischer Seman­tiken und Kate­gorien ist, so unsere Annahme, vor allem ein Resultat der Pop-Ästhe­tiken mit ihren Spiel­arten Pop Art, Under­ground und Camp bis hin zu Punk, Techno, Hip Hop etc. Pop verbindet sich in diesen Formen häufig „mit szene-internen Betrach­tungen und Wert­setzungen, die neue Beob­achtungs­leitlinien und Kate­gorien wie hip, cool, campy, under­ground, main­stream, trash etablieren“ (Döring et al. 2021, 10). Es gibt hier eine Art revival von popkul­turellen Programm­formeln, die aus den 1950er und 1960er Jahren stammen. Davon ausgehend schlagen wir einen Katalog ästhe­tischer Kate­gorien und Geschmacks­seman­tiken vor, die im Rahmen der Tagung in ihrer Zeit-, Sozial- und Sach­dimension diskutiert werden sollen. Das Ziel der Tagung ist die Erarbei­tung eines Glossars neuer ästhe­tischer Kate­gorien.

Literatur

Döring, Jörg et al. (2021): „Was bei vielen Beachtung findet: Zu den Transformationen des Populären“, in: Kulturwissenschaftliche Zeitschrift 6 (2), S. 1–24.
Hamilton, Richard (1982):„ Brief an Peter und Alison Smithson, 16.01.1957“, in: Richard Hamilton: Collected Works. 1953–1982. London, S. 28.
Ngai, Sianne (2012): „Our Aesthetic Categories. Zany, Cute, Interesting“. Cambridge (Mass.).
Werner, Alfred (1955): „Ästhetische Kategorien und moderne Kunst“, in: Zeitschrift für philosophische Forschung 9 (2), S. 366–371.