Genettes „Paratexte“ als Praxistheorie textueller Ordnung – am Beispiel von Kommentarfunktionen auf Zeitungswebsites (2026)
Inhalt
Der Artikel rekonstruiert eine Geschichte der Kommentarfunktionen der Websites ausgewählter Medienorganisationen (NYT, SZ, Die Zeit, FAZ, Der Spiegel, Augsburger Allgemeine) über Snapshots aus der Wayback Machine des Internet Archive. Diese Geschichte lässt sich als Kontroverse um die Frage beschreiben, ob und wenn ja wie Nutzer:innenkommentare den journalistischen Texten zugehörig sind. Das Argument des Artikels lautet: Solche issues of practice beschreibbar zu machen, ist die Pointe von Genettes Paratexte. Paratexttheorie wird deshalb als Praxistheorie der Attribution von Textzugehörigkeit aufgefasst. Dies birgt ein Potenzial, das sich erst in der fortgeschrittenen digitalen Transformation zeigt, in der Textgrenzen vager und damit aushandlungsbedürftiger werden.
The essay reconstructs a history of commenting sections on selected media organizations’ websites (NYT, SZ, Die Zeit, FAZ, Der Spiegel, Augsburger Allgemeine) using snapshots from the Internet Archive’s Wayback Machine. This historiography traces the persistent controversy over whether, and if so how, user comments belong to journalistic texts. The essay argues that making such issues of practice describable is precisely the point of Genette’s Paratexts. Paratext theory is therefore understood as a practice theory of attributing textual belonging. This holds potential that becomes evident only in advanced digital transformation, when textual boundaries become more vague and thus require negotiation.
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Zitierweise
Paßmann, Johannes (2026): „Genettes Paratexte als Praxistheorie textueller Ordnung – am Beispiel von Kommentarfunktionen auf Zeitungswebsites“, in: Jörg Döring und Niels Werber (Hg.): Paratexte des Populären. Berlin/Boston (Paratext-Studien, 3), S. 421–445. DOI: https://doi.org/10.1515/9783112208175-022.
