Paratext und Reproduktion. Zum Verhältnis von Bild und Text im Kunstbuch (2026)
Inhalt
In der Kunstvermittlung beginnt ab circa 1900 die fotografische Reproduktion an die Stelle des Originals zu treten. Die Reproduktions- und Verlagsanstalten unterstreichen die Wirkung der in Büchern oder Mappenwerken veröffentlichten Reproduktionen und legen die Begegnung mit den Bildern gleichsam als Museumsbesuch an. Dieser Inszenierung des Einzelbildes liegt die Annahme zugrunde, dass Originalfotografien die Möglichkeit eröffnen, die Kraft der Kunst oder die Kraft des Künstlers authentisch in und an sich nachempfinden zu können. Vorstellungen der unmittelbaren Zugänglichkeit und Genießbarkeit von Reproduktionen führen bis zu dem Punkt, an dem die Bilder nicht mehr den Text, sondern der Text die Reproduktionen „illustriert“.
In art mediation around 1900, photographic reproduction began to replace the original artwork. Reproduction and publishing companies emphasized the effect of reproductions published in books or portfolios and framed the encounter with the images as if it were a museum visit. This staging of the individual image was based on the assumption that photographs after originals offered the possibility of authentically experiencing power of art or of the artist. Notions of the immediate accessibility and enjoyability of reproductions lead to the point where the images no longer “illustrated” the text, but rather the text “illustrated” the reproductions.
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Zitierweise
Imorde, Joseph (2026): „Paratext und Reproduktion. Zum Verhältnis von Bild und Text im Kunstbuch“, in: Jörg Döring und Niels Werber (Hg.): Paratexte des Populären. Berlin/Boston (Paratext-Studien, 3), S. 169–194. DOI: https://doi.org/10.1515/9783112208175-011.
