Dilek Arsl­an­lar (Kultur­wissen­schaft/Buch­wissen­schaft)

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Meine erste Begegnung mit wissen­schaft­lichen Taschen­büchern war eine begra­digende. Wenn der Stuhl wackelte, der Tisch kippelte oder das Regal Stütz­hilfe brauchte, schoben meine Eltern kurzer­hand ein Soft­cover unter. Dass Taschen­bücher mehr sind als prak­tische Möbel­keile, ahnte ich erstmals mit zehn bei der Lektüre von Gom­brichs Eine kurze Welt­geschichte für junge Leser. Später, in meinem Studium der Lite­ratur, Kultur und Medien an der Uni Siegen, waren Taschen­bücher stän­dige Begleiter, Schmöker, Pausen­füller. Und geis­tiger Futter­lieferant, nicht zuletzt für meine Maste­rarbeit über Böll und die Gesell­schafts­politik der 1970er Jahre. Nach dem M. A. war ich Presse­referentin für verschie­dene Publi­kums­verlage, bevor ich für elf Jahre als Buch­händ­lerin bei zwei litera­rischen Leucht­türmen der Lese­kultur in Hamburg arbei­tete: Buch­hand­lung Chris­tiansen und Buch­hand­lung & Anti­quariat Lüders. Diese weit über Ham­burg hinaus bekannten Buch­läden, aus­gewie­sene Institu­tionen für gute Literatur, verloren dennoch nie das wissen­schaft­liche Taschen­buch aus dem Blick. Warum? Gerade in diesen Zeiten sehnt sich das Publi­kum nach fundier­tem Wissen. Daher finden wissen­schaft­liche Taschen­bücher wie Hartmut Rosas Resonanz. Eine Geschichte der Welt­sozio­logie, Andreas Reckwitz’ Das Ende der Illu­sionen oder Eva Illouz‘ Warum Liebe endet so großen Anklang bei den Buch­handels­kundinnen und -kunden.
Nun kehre ich zurück an die Uni Siegen und bin Mitarbei­terin und Dokto­randin im Teil­projekt B01 „Wissen­schaft im bundes­repu­blika­nischen Taschen­buch 1955–1980“. Schon in diesem Zeitraum gab es eine Popu­larisie­rung der Wissens­vermitt­lung. Und schon damals zeigte sich: Bücher stützen und geben Halt (siehe erster Satz), sogar mit Inhalten.
In meiner Promotion beschäftige ich mit ausgewählten Paperback-Reihen der Europä­ischen Verlags­anstalt (EVA) in Einzel- und Sammel­band­ausgaben um 1968. Welche Rolle nahmen die EVA und ihre Heraus­geber an der Verbrei­tung linker Literatur und der Heraus­bildung einer Gegen­öffent­lich­keit ein? – gerade im Unter­schied zu der Reihen­politik „klassischer“ Publikums­verlage im wissen­schaft­lichen Taschen­buch. Ein beson­derer Fokus liegt auf der EVA im Kontext der Raub­druck­bewegung linker Lese­stoffe in den 1960er und 1970er Jahren.