Die Univer­si­tät und das Popu­läre

AG Arbeitsgruppen
AG6

Als institutionalisierter Ort gesellschaftlich geförderter Wissensproduktion und -vermittlung ist die Universität unmittelbar von den Transformationen des Populären betroffen. Das Populäre wird zum Gegenstand von Forschung und Lehre und Beachtungserfolge zur Messlatte wissenschaftlichen Erfolgs. Führten die Kanondebatten der 1980er und 1990er Jahre und die fortschreitende Nivellierung der high/low-Unterscheidung zur Popularität des Populären auch im Feld des Akademischen, sieht sich universitäres Wissen seit den 1950er Jahren und verstärkt nach der Popularisierung des Internets um 2000 mit der Notwendigkeit konfrontiert, sich gegen die Wissensressourcen des Populären sowie populistische antiakademische Ressentiments zu behaupten. Universitäres Wissen muss sich im Sinne einer Umkehr der Beweislast zunehmend nach den Spielregeln des Populären legitimieren. Denn auch für die Universität gilt: Populär ist, was von vielen Beachtung findet, und nur was Beachtung findet, erhält breit akzeptierte gesellschaftliche Relevanz. Die Universität muss daher selbst populär werden. Zu den Folgen zählen Rankings, Ratings und das Streben nach prämierter Exzellenz, das Primat von Studierenden- und Absolventenzahlen, Drittmittelbilanzen, Zitationsindices, aber auch PR-Formate wie Science Slam und Kinderuni. Der sich auf diese Weise manifestierende Popularisierungszwang, der Wissenschaftlerïnnen zumal dann erfasst, wenn ihren Forschungsthemen gesellschaftliche Relevanz zugesprochen wird und Beachtung kaum zu vermeiden ist, zeigt sich auch in der veränderten Funktion der Figur des public intellectual. Waren Adornos Rollen als Wissenschaftler und als Intellektueller noch weitgehend identisch, müssen sich Wissenschaftlerïnnen, deren Expertise von der Öffentlichkeit nachgefragt wird, nach 2000 an das Populäre anpassen bzw. selbst zu populären Akteuren werden. AG 6 untersucht die ubiquitären Formen universitärer Resilienz, Resistenz und Akkomodation gegenüber dem Populären.