PD Dr. Niels Penke (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)

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penke@germanistik.uni-siegen.de
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AH-A 317
  • Heisen­berg-Stelle

Meine erste Hausarbeit schrieb ich im Sommer 2003 über Max Goldt in einem Seminar zur „Popliteratur“ an der Technischen Univer­sität Braun­schweig. Parallel dazu beschäftigte ich mich mit Neologismen in der Sprache der deutschen Mystik am Beispiel Mechthild von Magde­burgs. Zwischen Gegenwart und Mittelalter lagen dann auch weitere meiner Studien- und später Arbeits­schwer­punkte, die meine Studien­fächer Germanistik, Skandina­vistik und Philo­sophie mitein­ander verbanden. Sie liefen auch in meiner Disser­tation zusammen, die sich mit Ernst Jünger und den ästhe­tischen wie politischen Implika­tionen seiner Rezep­tion der altislän­dischen Sagas und der Edda beschäf­tigte. Zwischen Germa­nistik und Skandi­navistik wechselten dann auch meine Anstellungen, Stipendien, Lehrauf­träge und Professu­rvertre­tungen. Nach über zehn Jahren an der Georg-August-Univer­sität Göttingen und je einem Semester in Kassel und Kiel kam ich 2015 nach Siegen. Als Assistent an Niels Werbers Professur einer­seits, als Koordi­nator der gerade in der Konstitution befind­lichen Forschungs­stelle Populäre Kulturen andererseits. Aus der zunächst kleinen Gruppe mit wechselnden Ziel­setzungen wurde sehr bald ein ansehn­licher Forschungs­verbund, der in Ring­vorlesungen, Lektüre­kreisen, Kolloquien und Master­classes gemeinsam über Theorien, Begriffe und Phäno­mene des Populären nach­dachte und größere Ziele ins Auge fasste. Verschiedene Formate wurden diskutiert und projektiert, ehe mit der Planung des Sonder­forschungs­bereichs die Weichen in Richtung der bis heute erfolg­reichen Zukunft gestellt wurden.
Nachdem ich schrittweise die Koordination an Jochen Venus über­geben hatte, konnte ich (endlich wieder) meinen eigenen Beiträgen zur historischen Erforschung des Populären nachgehen. Neben der Junius-Einführung (2018, mit Matthias Schafrick) war dies vor allem meine Habili­tations­schrift, die sich um eine Rekon­struktion der wider­streitenden Begriffe und Konzepte des Populären im 18. Jahrhundert bemühte, aber auch verschiedene Forschungs­traditionen zusammen­führen wollte, die zum Teil auffallend wenig Bezug aufein­ander genommen hatten. Die 2021 an der Philo­sophischen Fakultät eingereichte Arbeit erschien drei Jahre später als Buch unter dem Titel Forma­tionen des Populären (Untertitel: Poetik und Semantik des ‚Volkes‘ um 1800). In den vergangenen Jahren habe ich mich wieder vermehrt mit dem skandina­vischen Film beschäftigt und zwei Dritt­mittel­projekte durch­geführt (beide mit Joana van de Löcht, Münster), die sich im Kontext der Environ­mental Humanities verorten lassen: zur Kultur­poetik des Moores und zum EcoFolk, das sich mit den ökolo­gischen Implika­tionen von Sagen beschäftigt(e), aber auch den einen oder anderen Seiten­blick auf populäre wie auch nicht-mehr-populäre Phäno­mene zuließ.

In meinem Heisenberg-Projekt „Popularisierung und Dauer“ (ab Juni 2026) interessiere ich mich für die zeitliche Dimension von Popula­risierungs­prozessen im Allge­meinen, insbeson­dere solchen, die im Zeichen der langen Dauer stehen. Konkret werde ich mich mit den begriff­lichen Kopp­lungen von Popu­larität und Krankheit („Wut“, „Wahn“, „Mania“, „Fieber“, „Virus“ u. a.) beschäf­tigen und der Konfun­dierung einer patho­genen Semantik der Moderne nachgehen. In einem zweiten Teil­projekt wird es dann um die Vor- und Früh­geschichte von Fantasy gehen, in dem ich nach den histo­rischen Bedin­gungen der Möglich­keit eines populären Genres frage. Beide Projekte sind diachron angelegt und verbinden verschiedene Sprachen, Textsorten und Medien, wobei die kollektive und inter­genera­tionale Arbeit an der Entwick­lung und Stabili­sierung von Semantiken, Schreib­weisen und Praktiken im Fokus stehen soll.