Problematisierte Popularität. Caroline Wahls Literatur

20. – 21. Juli 2026
AH-A 217/18
(Herrengarten)
Organisation & Kontakt:
Dr. Matthias Schaffrick
Drei Nr. 1-Bestseller innerhalb von drei Jahren. Mit den Romanen 22 Bahnen (2023), der Fortsetzung Windstärke 17 (2024) und mit Die Assistentin (2025) findet Caroline Wahl sehr viel Beachtung – und zwar mehr als andere Autor:innen. Das beweisen die Bestsellerlisten, auf denen Caroline Wahl zeitweise mehrere Spitzenplätze (Taschenbuch und Hardcover) gleichzeitig belegte. Das beweisen aber auch die Verfilmung von 22 Bahnen (Constantin Film 2025, Regie: Mia Maariel Meyer), die Aufnahme in schulische Curricula, mehrere Bände mit Lern- und Unterrichtsmaterialien, Auftritte in Podcasts und Fernsehsendungen sowie eine ausverkaufte Lesetour. Caroline Wahl ist populär, ihre Bücher sind es auch.
Allerdings ist ihre Popularität umstritten. Wie so häufig führt die große Beachtung, die ihr zuteilwird, zu Kontroversen und sogar Konflikten um die Legitimität oder Illegitimität dieser Beachtung. Solche Kontroversen und Konflikte werden ihrerseits populär. Das zeigt sich daran, wie intensiv über die Autorin und ihre Romane diskutiert wird – unter Fans, Kritiker:innen, Literaturwissenschaftler:innen, in Literaturpreisjurys, generell unter Leser:innen.
In diesen Kontroversen wird danach gefragt, warum Caroline Wahl so dermaßen viel Beachtung erfährt. Welche Rolle spielt dabei die Bewertung der Romane? Wie ließe sich angesichts ihrer Popularität rechtfertigen, dass sie keine Beachtung verdient? Und wo und wie wird in diesen Debatten mit genuin literarästhetischen Kriterien (Poetizität, narrative Form) argumentiert? Welche literarischen Stoffe oder Erzählweisen werden als populär wahrgenommen, welche abgelehnt? Was bedeuten populäre Affekte (wie Neid, Trauer, Wut, Freude, Euphorie) sowohl als Motive ihrer Romane als auch für die Rezeption der Texte?
Die erste Tagung zur Bestsellerautorin Caroline Wahl überhaupt dient dazu, diese Fragen zu diskutieren, und zwar ausgehend von den drei vorliegenden Romanen, deren generische Zuordnung (New Adult?, Popliteratur? Populärer Realismus?) nicht weniger umstritten ist als die Popularität der Autorin.
Medienecho
Maja Beckers: „Was sagt denn die Wahl-Forschung?“, in: Die Zeit, 24.7.2026. Online: hier.
Anja Rützel: „Wahl-Verwandtschaften“, in: Der Spiegel 31/2026 (25.7.2026), S. 101. Unter dem Titel: „Jetzt beschäftigen sie sich sogar an der Uni mit ihr – was lernt man bei einer Caro-Wahl-Tagung über Caro Wahl?“, in: Spiegel Online, 20.7.2026. Online: hier.
Knut Cordsen: „Erste Fachtagung über Bestseller-Autorin Caroline Wahl. Gespräch mit Matthias Schaffrick“, in: Bayern 2 – Kultur-Update, 20.7.2026.

Programm
13:30 Uhr
Ankunft
14:00 – 14:30 Uhr
Matthias Schaffrick (Siegen)
Begrüßung und Einführung
14:30 – 15:30 Uhr
Florian Scherübl (Halle-Wittenberg)
Kein Buchpreis für dich! Popularität und Geltungsanspruch gegenüber der Konsekrationsmacht (am Beispiel Caroline Wahls und Clemens Meyers)
15:30 – 16:30 Uhr
Julia Prager (Dresden)
Beware of (c)rushing (s)ouls – populäre Affektregulation in Caroline Wahls Mediaverse
16:30 – 17:00 Uhr
Kaffeepause
17:00 – 18:00 Uhr
Jörg Döring (Siegen)
Performanz und Epitext. Podcast- und Buchmessenauftritte von Caroline Wahl
18:00 – 19:00 Uhr
Matthias Schaffrick (Siegen)
Die Habenichtse hören Haftbefehl. Zur Intertextualitätspolitik des Populären
19:30 Uhr
Abendessen
09:30 – 10:30 Uhr
Erika Thomalla (München)
Selbstbeobachtungen des Populären. Caroline Wahls Die Assistentin
10:30 – 11:30 Uhr
Eva Stubenrauch (Berlin)
Reflexivität als Klischee. Das Problem der Wissenspopularisierung für die literarische Wertung
11:30 – 12:00 Uhr
Kaffeepause
12:00 – 13:00 Uhr
Niels Werber (Siegen)
Form und Wertung
13:00 – 14:00 Uhr
Mittagspause
14:00 – 15:00 Uhr
Tobias Orfgen (Siegen)
Tiere wie Menschen. Anthropomorphisierung in Caroline Wahls Erzählung „Fritz“
15:00 – 16:00 Uhr
Undine Fuchs (Siegen)
„endlich bebi-schuhe“ oder: Mode erzählen. Zur literarästhetischen Fabrikation eines populären Lifestyles bei Caroline Wahl
16:00 – 16:30 Uhr
Abschlussdiskussion und Verabschiedung