Konferenz

25. November 2026
fusion lab · Stadt- und Regionallabor
Sandstraße 22A
26. – 27. November 2026
Student Service Center (SSC)
Sandstraße 16–18 | Raum F-S 002

Die 1960er und 1970er Jahre waren in der Bundes­republik von tief­grei­fenden Verän­derungen der sexuellen Kultur geprägt. Die sogenannte sexuelle Revo­lution brachte neue Publika­tions- und Lese­kulturen hervor, in denen sexuelle Befreiung, politische Emanzi­pation, ästhe­tische Experi­mente und kommer­zielle Interessen aufein­ander­trafen. Die Tagung „Sex und Front“ untersucht, wie sich Sexualität, Populär­kultur und politische Ausein­ander­setzungen auf dem Buch- und Zeit­schriften­markt mit­einander verschränkten.
Im Zentrum stehen unterschiedliche Formen des Lesens und Publi­zierens: von sexual­theore­tischen Schriften und Raub­drucken über Aufklä­rungs­bücher und feminis­tische Zeit­schriften bis hin zu porno­grafi­schen Publika­tionen, Pop­literatur und Underg­round-Kultur. Dabei geht es nicht nur um die Verbrei­tung neuer Vorstel­lungen von Sexualität, Körper­lich­keit und Begehren, sondern auch um die politi­sche Praxis, die mit Texten und Medien verbunden war. Wie wurden Druck­erzeug­nisse zu Instru­menten gesell­schaft­licher Inter­vention? Welche Rolle spielten Lektüren in alter­nativen pädago­gischen Zusammen­hängen, feminis­tische Print­öffent­lich­keiten und verlege­rische Experi­mente?
Zugleich fragt die Tagung nach den wider­sprüchlichen Dyna­miken der sexuellen Revo­lution. Während neue Ausdrucks­formen weib­licher Lust und Forde­rungen nach sexueller Selbst­bestim­mung an Sicht­barkeit gewannen, wurden Sexua­lität und Frauen­körper auch in den Massen­medien verhandelt, kommer­ziali­siert und zum Gegen­stand politischer Gegen­reak­tionen. Die Beiträge beleuchten feminis­tische, linke und rechte Deutungen ebenso wie das Spannungs­verhältnis von Emanzi­pation und Kommerz im Verlags­wesen und in der Pop- und Under­ground-Kultur.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Wegen, auf denen sexuelle Themen und politische Ideen ein breiteres Publikum erreichten. Anhand von Verlags­projekten, Taschen­büchern, Medien­berichten und populären Autoren wird unter­sucht, wie sich Aufklä­rung, Provo­kation und politische Program­matik verän­derten, wenn sie unter­schied­liche Öffent­lich­keiten erreichten.

Die Tagung bringt Perspektiven aus Buch- und Verlags­geschichte, Geschlechter-, Medien- und Literatur­wissen­schaft sowie der politi­schen Kultur­geschichte zusammen. Sie versteht die 1970er Jahre als ein Labora­torium neuer Sexual- und Lese­kulturen und fragt danach, wie Märkte, Medien und Lektüre­praktiken die gesell­schaft­liche Aushand­lung von Sexua­lität prägten.

Programm

25.11.26

18:30 – 20:00 Uhr

Film­a­bend im fusion­lab

„Hurra, wir werden aufge­klärt“ – Film- und Fern­seh­­fund­s­tü­cke der 1960er/70er

Anschlie­ßend Umtrunk vor Ort

26.11.26

09:30 – 10:15 Uhr

Jörg Döring
Katha­rina Knorr
(Siegen)

Sex & Front. Märkte für akti­vis­ti­sches und hedo­­nis­ti­­sches Lesen. Einfüh­rung

26.11.26

10:15 – 11:00 Uhr

David Bebnow­ski
(Berlin)

Poli­ti­schen Druck erzeu­gen – Druck­er­zeug­­nisse als inter­­ven­tio­nis­ti­sche Formen

26.11.26

11:00 – 11:30 Uhr

Kaffee­pause

26.11.26

11:30 – 12:15 Uhr

Sven Gring­muth
(Karls­ruhe)

Anlei­tung für eine revo­lu­tio­näre Erzie­hung. Der Zentra­l­rat der sozi­a­lis­ti­schen Kinder­­lä­den West­­ber­lin als päda­go­gi­sche Such­­be­we­gung um 1970: Leit­­be­griffe, Lektü­ren, Szene­pra­xis

26.11.26

12:15 – 13:00 Uhr

Dilek Arsl­an­lar
(Siegen)

Markt für Reich? Die sexu­elle Revo­lu­tion in Raub­­druck und Taschen­­­buch um 1968

26.11.26

13:00 – 14:30 Uhr

Mittags­pause

26.11.26

14:30 – 15:15 Uhr

Sebas­tian Bischoff
(Biele­feld)

Als der Sex nicht mehr aus den USA kam. Rechte Verknüp­fun­gen der „Sex-“ und „Por­no­welle“ mit SPD, Sowjet­­kom­mu­­nis­mus und APO

26.11.26

15:15 – 16:00 Uhr

Kassan­dra Hammel
(Tübin­gen)

Von Muscheln und Mösen. Femi­nis­ti­sche Zeit­­schrif­ten und neue Ausdrucks­­­for­men weib­li­cher Lust

26.11.26

16:00 – 16:30 Uhr

Kaffee­pause

26.11.26

16:30 – 17:15 Uhr

Clau­dia Gatzka
(Frei­burg)

Hüllen­lose Eman­zi­pa­tion? Frau­en­­­kör­per, Poli­tik und Sex im SPIE­GEL der 70er Jahre

26.11.26

17:15 – 18:00 Uhr

Undine Fuchs
(Siegen)

Eine Revo­lu­tion, zwei Ressorts. Perspek­ti­ven auf Sexua­­li­tät im Feuil­le­ton und Moder­nen Leben der ZEIT

26.11.26

19:00 Uhr

Abend­es­sen

27.11.26

09:00 – 09:45 Uhr

Roberto Di Bella
(Siegen)

„Das farbige Banner der Porno­­gra­phie“. Jörg Schrö­ders Olym­pia Press (1969–71) zwischen Eman­zi­pa­tion und Kommerz

27.11.26

09:45 – 10:30 Uhr

Matt­hias Schaff­rick
(Siegen)

„Der under­ground machte mich verrückt.“ Sex und Pop in Rose­ma­rie Heini­kels Auto­­bio­gra­phie Rosy Rosy (1971)

27.11.26

10:30 – 11:00 Uhr

Kaffee­pause

27.11.26

11:00 – 11:45 Uhr

Detlef Sieg­fried
(Kopen­ha­gen)

Von der Sexfront (1970) zum Sex-Buch (1979). Aufklä­rung, Provo­­ka­tion und Orga­ni­­sa­tion bei Günter Amendt

27.11.26

11:45 – 12:30 Uhr

Jörgen Schä­fer
(Siegen)

„These Germans may save my ass“: Charles Bukow­ski in Deut­sch­­land