Jahres­ta­gung 2022 - Parti­zi­pa­tion als Heraus­for­de­rung

05.- 07. Oktober 2022
Kulturhaus Lÿz Siegen

Partizipation als Herausforderung: Performativität des Quantitativen und
Rechtfertigungslogiken des Nicht-Populären

Externe Gäste sind herzlich willkommen! Für unsere Planung bitten wir um Anmeldung bei Alinda Brandt (alinda.brandt@student.uni-siegen.de).

Während der deutschsprachigen Vorträge bieten wir eine Simultanübersetzung in Englisch an.

Ausbau digitaler Mainstream-Programme und Zurückdrängung der Hochkultur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Beförderung direkter Demokratie in kommunaler Politik und Verwaltung, nutzergenerierte Reviews, Ratings und Rankings, Quantified Self-Bewegung und der Anspruch auf Shared Decision Making in der Medizin, Versuche einer Beeinflussung evangelikaler Bewegungen durch rechtspopulistische Ideologien, „Plattformisierung“ des alltäglichen (Medien-)Konsums … – die Leitunterscheidung von ‚populär/nicht-populär‘ zieht sich durch sämtliche Lebens- und Arbeitsbereiche und ihre Konfliktagenden.

Während hierbei das politische Leitbild der „Partizipation“ einerseits institutionenübergreifend an Relevanz und Legitimität zu gewinnen scheint, werden andererseits Bedenken artikuliert und institutionelle Beharrungskräfte („Resilienz“) beschworen, können Mobilisierung von Widerständen („Resistenz“) oder auch Vermittlungsbemühungen („Akkomodation“) verstärkt beobachtet werden.
Der SFB 1472 „Transformationen des Populären“ richtet den Blick in diesem Zusammenhang nicht direkt auf das Was und Warum der Konflikte und auf deren Bewertung, sondern zunächst auf das Wie: die sich wandelnden kulturellen, medialen, pragmatischen und ästhetischen Konstitutionsbedingungen von institutioneller Dynamik und Statik. In dieser Perspektive wird Popularisierung als kultureller Trend der Moderne maßgeblich getragen von einer Performativität des Quantitativen, die kulturelle Relevanz an gemessene und inszenierte Beachtung bindet: Publikumsquoten; Charts, Rankings und Ratings; KI-basierte Empfehlungs- und Entscheidungssysteme; automatisierte Accounts und Social Media-Statistiken; Gewinnung von Evidenz durch Sensordaten. Die Quantifizierung des Populären ist dabei selbst in mindestens doppelter Hinsicht partizipativ - weil sie auf partizipativen Bewertungspraktiken und -infrastrukturen aufbaut und weil sie durch Prozesse wie u.a. Reaktivität selbst an dem partizipiert, was sie versucht zu vermessen. Die Popularisierung von Quantifizierung ist viel beforscht - doch wie verhält sich Quantifizierung zum Unpopulären und welche Konfliktagenden entstehen entlang von Metriken, Kennzahlen und Ratings?

Dagegen gründet die (partielle) Rechtfertigung des Bestehenden in (einstweilen noch) stabilen institutionellen Verfestigungen, widerständigen rhetorischen bzw. künstlerischen Praktiken und diskursiven Aushandlungs- und Anpassungsprozessen. Bei näherem Hinsehen kommt ins Blickfeld, dass Partizipation nicht nur im Sinn der politischen Theorie zu verstehen ist als demokratische Teilhabe an institutionellen Entscheidungen, sondern auch sozialtheoretisch als empirische Verknüpfung und Verschränkung von ontologisch heterogenen Voraussetzungen, die für ein Geschehen – situativ und in raumzeitlich übergreifenden Prozessen – konstitutiv sind: Wie zum Beispiel werden durch die Überlagerung verschiedener Interaktionsarchitekturen in institutionellen Funktionsräumen traditionelle und „partizipative“ Praktiken in ein Über- und Unterordnungsverhältnis zueinander gesetzt, wie durch den gebauten, gestalteten und ausgestatten Raum eher flüchtige von dauerhaften Ordnungen unterschieden?

Systematisch betrachtet, richtet sich die Aufmerksamkeit damit auf Partizipanden der Partizipation: Hierzu gehören sozialisierte Körper (einschließlich Körper- und Sachtechniken), Artefakte und ihre Affordanzen, Metriken und Kennwerte, technische Standards und Algorithmen, räumliche Settings, textuelle und visuelle Repräsentationen im Diskurs, historische Orte, Sequenzialität in der Interaktion, Beziehungsdynamiken und ein gewisser (oft geringer) Grad an „Bewusstseinsbeteiligung“ menschlicher Beteiligter in arbeitsteiligen Konstellationen. Der dem Tagungsvorhaben zugrunde liegende Begriff der Partizipation bezieht sich damit, anders als im politischen Kontext, weniger auf aktive und intentionale Beiträge als auf das Involviert-Werden in Praxisvollzüge, und hierbei im Besonderen auf die Performativität des Quantitativen und die Rechtfertigungslogiken des Nicht-Populären.

Vor diesem Hintergrund lädt die Jahrestagung 2022 des SFBs 1472 „Transformationen des Populären“ dazu ein, die Konflikte um Partizipation im Spannungsfeld zwischen ‚evidenter‘ Popularität und Rechtfertigung tradierter institutioneller Machtverhältnisse durch eine Untersuchung der konstitutiven Verhältnisse von Partizipanden und des Wandels ihrer Konstellationen zu erörtern: Wie ertragreich ist die Anwendung derartiger, abstrakter und homogener Begriffssysteme auf die disziplinären Gegenstandsbereiche in Literatur- und Kunstgeschichte, Medienwissenschaft, Science and Technology Studies, Kultursoziologie, Angewandter Sprachwissenschaft, Sozio- und Diskurslinguistik, Sozialpädagogik, Entrepreneurship Studies, Kirchengeschichte u.a.m.? Welchen Gewinn bringen sie für die interdisziplinäre Debatte und Theoriebildung über Popularität, Quantifizierung und Partizipation, im SFB-Kontext und darüber hinaus?
Zu Projektpräsentationen und Diskussion eingeladen sind Vertreterinnen und Vertreter aller Disziplinen, die das Spannungsfeld Partizipation, Nicht/Popularität und/oder Quantifizierung historisch oder im Blick auf die Gegenwart untersuchen.

Literatur:
Hausendorf, Heiko & Reinhold Schmitt (2016b): Vier Stühle vor dem Altar. Interaktionsarchitektur, Sozialtopografie und Interaktionsraum in einem „Alpha“-Gottesdienst. In: Heiko Hausendorf, Reinhold Schmitt & Wolfgang Kesselheim (Hrsg.): Interaktionsarchitektur, Sozialtopographie und Interaktionsraum. Tübingen: Narr, S. 227-262.
Hirschauer, Stefan (2004): Praktiken und ihre Körper. Über die materiellen Partizipanden des Tuns. In: Reuter, Julia/Hörning, Karl (Hg.): Doing Culture. Neue Positionen zum Verhältnis von Kultur und sozialer Praxis. Bielefeld: Transcript, S. 73-91.
Imorde, Joseph / Andreas Zeising (Hg.) (2013): Teilhabe am Schönen. Kunstgeschichte und Volksbildung zwischen Kaiserreich und Diktatur. Weimar.
Knorr-Cetina, Karin (1989): Spielarten des Konstruktivismus. Einige Notizen und Anmerkungen. In: Soziale Welt 40, 1/2, S. 86-96.
Perry, Rachel E. (2017): Immutable Mobiles: UNESCO’s Archives of Colour Reproductions, in: The Art Bulletin 99, No. 2, S. 166-187.

Programm

05.10.22

13:30-14:00 Uhr

Welcome und Einführung / Introduction

Vero­nika Albrecht-Birkner, Caro­lin Gerlitz, Stephan Habscheid

05.10.22

14:00 -14:45 Uhr

Panel 1: Institutionen

Gisa Bauer (Köln)
Das Verhält­nis von Landes (und Frei-)kirchen und Evan­ge­li­ka­len in Deut­sch­land zwischen Konflikt und Parti­zi­pa­tion
Mode­ra­tion: Vero­nika Albrecht-Birkner

05.10.22

14:45 - 15:30 Uhr

Panel 1: Institutionen

Ulrich Riegel (Siegen)
Die Diskus­sion um die Orga­ni­sa­ti­ons­form des Reli­gi­ons­un­ter­richts als Beispiel für insti­tu­ti­o­nelle Reak­ti­o­nen auf popu­läre Erwar­tungs­hal­tun­gen im Feld reli­gi­öser Bildung
Mode­ra­tion: Vero­nika Albrecht-Birkner

05.10.22

15:30 - 16:00

Pause

05.10.22

16:00-16:45 Uhr

Panel 1: Institutionen

Anja Pion­tek (Murnau)
Popu­lär und nie mehr leer?! Parti­zi­pa­tion als aktu­el­les Para­digma der
Muse­ums­a­r­beit
Mode­ra­tion: Anna Seidel

05.10.22

16:45 - 17:30 Uhr

Pause

05.10.22

17:30 - 19:00 Uhr

Keynote Speech

Stefan Hirschauer (Mainz)
Von den Parti­zi­pan­den der Praxis zu den Sinn­schich­ten des Kultu­rel­len
Mode­ra­tion: Stephan Habscheid

05.10.22

Ab 19:30 Uhr

Abendessen und Drinks

„Zur Hammer­hütte“,
Kirch­weg 79, 57072 Siegen
Für Vortra­gende und SFB-Mitglie­der

06.10.22

9:00 - 9:45 Uhr

Panel 2: Räume

Wolf­gang Kessel­heim (Zürich)
Bedin­gun­gen und Formen von Parti­zi­pa­tion: Natur­wis­sen­schafts­mu­seen vs. Science Centers
Mode­ra­tion: Anna Seidel

06.10.22

9:45 - 10:30 Uhr

Panel 2: Räume

Andreas Zeising
(Dort­mund)
Die Treppe als Inter­ak­ti­ons­raum. Relek­türe einer Streit­schrift
Mode­ra­tion: Mirja Beck

06.10.22

10:30 - 11:00 Uhr

Pause

06.10.22

11:00 - 11:45 Uhr

Panel 2: Räume

Noah Buben­ho­fer (Zürich)
Seman­ti­sche Räume auf digi­ta­len Platt­for­men als Räume für Parti­zi­pa­tion?
Mode­ra­tion: Vanessa Breit­kopf

06.10.22

11:45 - 13:00 Uhr

Mittagessen

06.10.22

13:00 - 13:45 Uhr

Panel 3: Adressierung und Positionierung

Ianick Takaes (New York)
Into Stend­ha­l’s Cruci­ble – Acute Psycho­so­ma­tic Reac­ti­ons to Popu­lar Artworks
Mode­ra­tion: Allyn Heath

06.10.22

13:45 - 14:30 Uhr

Panel 3: Adressierung und Positionierung

Elena Espo­sito (Biele­feld)
To Perso­na­lize or to Be Perso­na­li­zed? Indi­vi­dual Iden­tity and Digi­tal Profi­ling (online)
Mode­ra­tion: Corne­lius Schu­bert

06.10.22

14:30 - 15:15 Uhr

Panel 3: Adressierung und Positionierung

Celia Lury (Warwick)
Hey you! Prono­mi­na­lism and the Popu­lar (online)
Mode­ra­tion: Danny Lämmer­hirt

06.10.22

15:15 - 15:45 Uhr

Pause

06.10.22

15:45 - 16:30 Uhr

Panel 4: Konflikt und Macht I (Religion)

Fabian Virchow
(Düssel­dorf)
Rech­ter Glaube? – Wie die popu­lis­ti­sche und extreme Rechte auf Chris­ten­tum und Kirche schaut
Mode­ra­tion: Stefa­nie Siedek-Strunk

06.10.22

16:30 - 17:15 Uhr

Panel 4: Konflikt und Macht I (Religion)

Rein­hard Kopan­ski (Siegen)
Verwei­gerte Parti­zi­pa­tion? Abgren­zun­gen und konser­va­tive Verhar­rungs­mus­ter evan­ge­li­ka­ler Christ:innen in popu­lä­rer Musik
Mode­ra­tion: Stefa­nie Siedek-Strunk

07.10.22

9:00 - 10:30 Uhr

Panel 5: Research Challenges

Wissen­schaft­li­che Mita­r­bei­ter:innen des SFB 1472
Allyn Heath, Lena Teige­ler, Stefa­nie Siedek-Strunk
Mode­ra­tion: Vanessa Breit­kopf & Milan Weber

07.10.22

10:30 - 11:15 Uhr

Panel 6: Konflikt und Macht II
(Politik/Aktivismus)

Clau­dia Mattos Avolese (Boston)
Colo­nial Ficti­ons: popu­lar culture and indi­ge­nous acti­vism in Denil­son Bani­wa’s digi­tal colla­ges
Mode­ra­tion: Joseph Imorde

07.10.22

11:15 - 12:00 Uhr

Snacks

07.10.22

12:00 - 12:45 Uhr

Panel 6: Konflikt und Macht II (Politik/Aktivismus)

Erkan Saka (Istan­bul)
When does poli­ti­cal trol­ling work? Target­ting inter­nal enemies
Mode­ra­tion: Mine Gencel Bek

07.10.22

12:45 - 13:30 Uhr

Panel 6: Konflikt und Macht II (Politik/Aktivismus)

Emiliano Treré (Cardiff)
Logics of the popu­lar in the data­fied age: illu­sion, resi­stance, and ambi­va­lence – online –
Mode­ra­tion: Duygu Kara­tas

07.10.22

13:30 - 14:30 Uhr

Abschlussrunde / Closing Discussion

Mode­ra­tion: Vero­nika Albrecht-Birkner und Caro­lin Gerlitz

Abstracts

Bauer, Gisa

Das Verhältnis von Landes- (und Frei-)Kirchen und Evangelikalen in Deutschland zwischen Konflikt und Partizipation

Das Verhältnis der Minorität der Evangelikalen und dem Mainstreamchristentum in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen in Deutschland ist seit der Entstehung einer evangelikalen Bewegung Ende der 1960er Jahre konflikthaft und spannungsreich. Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass sich seit den 1990er Jahren – mit entsprechenden Vorlaufentwicklungen seit den 1970er Jahren – Möglichkeiten der Partizipation evangelikaler Aktivitäten in landes- und freikirchlichen Organisationen ergaben, wobei sich die Akkomodation seitens der Kirchen aber nur auf spezielle thematische Gebiete bezog und aus divergenten Gründen erfolgte, vorrangig aber der Einhegung evangelikalen Protestes diente. Die Partizipationsprozesse zogen eine Majorisierung der jeweiligen Themen nach sich, weniger eine Popularisierung des Evangelikalismus selbst. Ein signifikantes Beispiel für eine solche Entwicklung ist die Zusammenarbeit von Landeskirchen und Evangelikalen auf dem Gebiet der Evangelisation, die in der Gründung von ProChrist als gemeinsames Arbeitsprojekt kumulierte. In dem geplanten Beitrag werden paradigmatisch Prozesse der Abgrenzung und Partizipation, der Resilienz auf kirchlicher und der Resistenz auf evangelikaler Seite von den 1960er Jahren bis in die 1990er Jahre nachgezeichnet.

Riegel, Ulrich

Die Diskussion um die Organisationsform des Religionsunterrichts als Beispiel für institutionelle Reaktionen auf populäre Erwartungshaltungen im Feld religiöser Bildung

Immer wieder ist der schulische Religionsunterricht Gegenstand öffentlicher Debatten. In jüngerer Vergangenheit ging es dabei vor allem um die Art und Weise, wie Religion in der weltanschaulich neutralen Schule erteilt werden solle. Auf der einen Seite finden sich Stimmen, die vorschlagen, diesen Unterricht im Klassenverband zu organisieren und in religiöser Neutralität zu erteilen. Gemessen an der relativ breiten öffentlichen Zustimmung können diese Stimmen als Repräsentanten des Populären interpretiert werden. Auf der anderen Seite ist dieser Unterricht laut Art 7(3) GG "in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften" erteilt. Sowohl die Verfassunsgerichte als auch die Kirchen deuten diesen Passus so, dass der konfessionelle Religionsunterricht alleine grundgesetzlich geschützt ist und entsprechen zu erteilen sei. Diese Perspektive kann als Repräsentation einer institutionellen Position im Feld religiöser Bildung interpretiert werden. Im Beitrag wird gezeigt, wie in der Diskussion um die Organisationsform des Religionsunterrichts populäre Forderungen und institutionelle Reaktionen interagieren und welche Typen des Umgangs mit dem Populären sich in den kirchlichen Reaktionen antreffen lassen.

Piontek, Anja

Populär und nie mehr leer?! Partizipation als aktuelles Paradigma der Museumsarbeit

War der Begriff „Partizipation“ vormals im Museumsbereich nahezu unbekannt, erfreut er sich seit wenigen Jahren zunehmender Beliebtheit. Dabei sind die Grundprinzipien, die sich mit dem Konzept der aktiven Beteiligung von (potenziellen) Besucher:innen verbinden (institutionelle Öffnung und Demokratisierung, [Rück-] Anbindung an die Bevölkerung, Emotionalisierung und Individualisierung, dialogische Kommunikation statt top-down-Prinzip etc.), nicht neu. Die Museumsgeschichte stellt sich vielmehr als Wechselspiel von partizipativen und antipartizipativen Tendenzen dar. Gleichwohl hebt sich die aktuelle Partizipationskonjunktur dadurch ab, dass die Stoßrichtung erstmals weniger paternalistische Züge trägt, sondern sich Museen selbst einen konkreten Nutzen für die eigenen Mitarbeitenden und das eigene Haus sowie nicht zuletzt für die Institution Museum generell versprechen – plakativ könnte man sagen, Museen wollen niederschwelliger und populärer werden, bisherige Besucher:innen enger binden und neue Besucher:innen gewinnen.
Dieser Wunsch kommt nicht von ungefähr ausgerechnet jetzt. Mehrheitlich ist er einer Gemengelage geschuldet, die die Institution Museum zunehmend unter Legitimitätsdruck bringt: verschiedene gesellschaftliche, politische und kulturelle Entwicklungen stellen die Existenzberechtigung der Museen infrage. Partizipation ist unter diesem Blickwinkel also eine der Strategien, dieser Bedrohung zu begegnen und Museen stärker als bisher auch für breitere Kreise der Gesellschaft zu öffnen, anstatt vornehmlich bestimmte gesellschaftliche Eliten zu adressieren. Die Corona-Pandemie hat dieser Entwicklung zusätzlich Dynamik verliehen, denn in Zeiten geschlossener Häuser oder großer Zutrittshürden drohte selbst die Bindung zum altbekannten Stammpublikum in Gefahr zu geraten, um das man sich bisher kaum explizit bemühen musste. Neue, vor allem digitale (Kommunikations-)Formate fügen dem Wunsch der Museen nach Sichtbarkeit, Präsenz und nicht zuletzt Publikumskontakt eine weitere Facette hinzu.
Doch längst sehen nicht alle, die in oder für Museen arbeiten den Trend zu Partizipation und die damit verbundenen Implikationen positiv. Bemängelt wird etwa der befürchtete Ausverkauf der Kultur mit der Überzeugung, dass breite Popularität nur durch eine zwangsläufige Trivialisierung und Banalisierung der Inhalte zu erreichen sei. Die Institution Museum als gesellschaftlich anerkannte Autorität dürfe sich nicht von jedem Trend vereinnahmen lassen und die eigenen Prinzipien für ein paar Likes verkaufen – schließlich gab es 1949 gute Gründe, die Freiheit von Kunst, Kultur und Wissenschaft in der Verfassung festzuschreiben.
Auch wenn nicht alle Befürchtungen unbegründet sind, so gibt es doch vehemente Befürworter:innen einer stärker partizipativ ausgerichteten Museumspraxis: Für mache ist Partizipation tatsächlich Mittel zum Zweck, um auf einem (scheinbar?) schnellen Trend mitzuschwimmen oder um sich mit einem einzelnen Projekt als Feigenblatt schmücken zu können, auf dass die restliche museale Praxis und Haltung nicht weiter hinterfragt werde. Für andere Museumsmacher:innen geht es hingegen wirklich ums Prinzip: Sie wollen die Idee des modernen Museumswesens, das mit der Verstaatlichung und Ausstellung der Schätze des Adels im Louvre im Zuge der Französischen Revolution begann, wortwörtlich verwirklicht sehen: Museen sind Gemeingut der Gesellschaft – somit sollte auch jede:r die Möglichkeit haben, sich aktiv einbringen und mitentscheiden zu dürfen. Falls dadurch die Popularität einzelner Häuser oder der Institution Museum generell steigt, ist dies zu begrüßen, stellt aber kein primäres Ziel dar. Vielmehr geht es um die Dekonstruktion und Transformation des Museumswesens im Dienste der Gesellschaft. Ziel wäre also eine Institution, die sich nicht ohne ihr Publikum und die Gesellschaft begreift, die bereit ist, Autoritätsansprüche und Expertise abzugeben, zuzuhören, dazuzulernen, sich kritisch zu hinterfragen und zu wandeln.
Letztlich stellt sich jedoch einerseits die Frage, ob durch Partizipationsangebote wirklich breite Massen mobilisiert werden können – dem stehen erhebliche Schwellenängste auf Seiten der Bevölkerung sowie manche strukturellen Grundzüge von Partizipation gegenüber (z.B. dass Partizipation nun einmal oft am besten funktioniert, wenn lokale Communities mit lokalen Themen und Fragen adressiert werden). Und andererseits, ob eine Popularisierung des Museums langfristig nicht auch den Reiz der Partizipation entzaubern könnte: Schließlich ist es für viele Teilnehmende von Partizipa¬tionsprojekten eigenen Aussagen zufolge eine Triebfeder, dass sie auf diese Weise Einlass in einen (noch) elitären gesellschaftlichen Bereich erhalten und dass eben jene Exklusivität und Autorität der Institution Museum auf sie selbst und den eigenen Beitrag zum Projekt abstrahlt und gleichsam adelt.

Kesselheim, Wolfgang

Bedingungen und Formen von Partizipation: Naturwissenschaftsmuseen vs. Science Centers

In meinem Vortrag möchte ich der Frage nachgehen, wie Museumsausstellungen Partizipationsmöglichkeiten für Besucherinnen und Besucher eröffnen, kanalisieren oder blockieren und wie die Besucherinnen und Besucher mit ihrem sprachlichen und körperlichen Verhalten beobachtbar an die von der Museumsinstitution nahegelegten Partizipationsformen anknüpfen oder gegen sie anarbeiten. – Partizipation untersuche ich dabei auf drei Ebenen: auf der Ebene der Ausstellungsarchitektur (welche Formen von Partizipation macht der institutionelle Raum erwartbar?), auf der Ebene der Ausstellungstexte (wie lässt sich aus den Texten das spezifische Bild der erwarteten Partizipationsformen rekonstruieren?) und auf der Ebene der Besucherinteraktion in der Ausstellung (wie machen die Besucherinnen und Besucher deutlich, wie sie ihre Partizipationsmöglichkeiten in der Institution verstehen?). – Materialgrundlage des Vortrags sind Fotos und Videos aus einem klassischen Naturwissenschaftsmuseum und einem Science Center – einem ‚interaktiven‘ Museumstyp, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, Besucherinnen und Besucher zu aktiv Forschenden zu machen.

Hirschauer, Stefan

Von den Partizipanden der Praxis zu den Sinnschichten des Kulturellen

Der Vortrag entwickelt im ersten Teil eine praxistheoretische Perspektive vom Handeln der Akteure über die Interaktionszüge von Teilnehmern zu den heterogenen Partizipanden sozialer Praxis. Im zweiten Teil erweitert er die Perspektive einer Partizipation an verteiltem Handeln auf die Frage der Distribuiertheit kultureller Phänomene über unterschiedliche Sinnschichten wie kognitive Schemata und Imaginationen, grammatische Strukturen, Diskurse, Praktiken, soziale Strukturen und materielle Infrastrukturen.

Zeising, Andreas

Die Treppe als Interaktionsraum. Relektüre einer Streitschrift

1978 erschien im Hamburger VSA-Verlag, dem »Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung«, ein von Roland Günter und anderen verfasstes Buch über die Spanische Treppe in Rom, das als »alternative Geschichtsschreibung« und »Plädoyer für ein Leben mit Kulturdenkmälern« verstanden werden wollte. Gespeist aus dem linken Geist der 68’er, kritisierten die Autoren eine Kunstgeschichtsschreibung, die ihre Objekte entkontextualisierte, um sie als zeitferne Denkmäler unter rein ästhetischen Prämissen zu betrachten. In dem Buch wurde das römische Bauwerk hingegen als ein Ort gesellschaftlicher Interaktion vorgestellt, wobei man insbesondere die gegenwärtige Nutzung und Inbesitznahme durch Händler, Anwohner und Touristen in den Blick fasste. Dazu bedienten die Autoren sich einer fotogestützen empirisch-soziologischen Feldforschung, durch die die Publikation sich kategorisch von gängiger Architekturgeschichtsschreibung unterschied. Der Ansatz weist eine bemerkenswerte Nähe zur Konzeption des Interaktionsraums auf, wie er in den vergangenen Jahren in der Linguistik zum Verständnis sozialer Kommunikation in gebauten Environments entwickelt worden ist.

Bubenhofer, Noah

Semantische Räume auf digitalen Plattformen als Räume für Partizipation?

Soziale Medien und digitale Plattformen bieten die Gelegenheit zur sozialen Interaktion im Medium des Symbolischen: mit Sprache und anderen Zeichen (Couldry / Hepp 2017). Damit entstehen semantische Räume, also aus diskurslinguistischer Sicht musterhaft auftretende Aussagen, die sich in Form von Formulierungsmustern an der sprachlichen Oberfläche manifestieren. Mit korpuspragmatischen Methoden ist es möglich, die Charakteristik solcher semantischer Räume auf der Basis von großen Textkorpora zu modellieren (Bubenhofer 2009; Bubenhofer et al. 2022). – Bei strittigen Themen können sich die semantischen Räume verschiedener medialer Arenen mitunter sehr unterscheiden. Die gleichen Begriffe können so verschieden semantisiert sein, dass Verständigung beinahe unmöglich scheint (Bubenhofer 2022). Befördert wird das dadurch, dass Algorithmen als Akteur der Ordnung und Umordnung von Aussagen aufgefasst und in eine digitale Diskursanalyse integriert werden müssen (Nassehi 2019; Bubenhofer / Dreesen, im Druck). – Von Vorteil bei digitalen Daten ist nun der Einsatz von digitalen, korpuslinguistischen Methoden: Mit ihnen können auf der Basis großer Datenmengen semantische Räume modelliert und verschiedene Räume miteinander verglichen werden. Ob Partizipation möglich ist, erscheint damit auch als Frage, ob es semantische Räume gibt, die das Potenzial für die Partizipation verschiedener sozialer Gruppen bieten. – Im Vortrag werden theoretische und methodologische Überlegungen aus korpuspragmatischer Perspektive auf diskursiv geprägte semantische Räume präsentiert und anhand verschiedener Diskurse illustriert.

Takaes, Ianick

Into Stendhal’s Crucible—Acute Psychosomatic Reactions to Popular Artworks

Reports of odd artistic experiences in Florence have often made the news. Tourists in the Tuscan capital have fainted when confronted by Donatello’s David in the Bargello, suffered cardiac arrest in the Uffizi in front of Botticelli’s Venus, and started hallucinating after experiencing Fra Angelico’s pictures in the Museo di San Marco. These seemingly haphazard incidents were given a common diagnosis in the late 1980s. The Florentine psychiatrist Grazielle Magherini, based on Stendhal’s account of his disturbing encounter with Volterrano’s Sybils in 1817, attributed the quizzical clinical episodes to the power of art and beauty so pervasive in the Tuscan capital. She thus coined the Stendhal syndrome, a.k.a. Florence syndrome, which would soon become a buzzword to describe most abnormal reactions to artworks.While the sheer artistic energy contained in Florentine artworks might have something to do with the aforementioned incidents, it is also likely that a nexus of para-aesthetic elements have overdetermined these encounters. To what extent does the artworks’ popularity plays a hand in triggering acute psychosomatic reactions? How do global tourism and the oft-associated depersonalization and derealization experiences impact artistic enjoyment? Moreover, considering that the Stendhal syndrome finds its historical justification and highbrow pedigree in the writings of the celebrated French novelist, to what extent are contemporary museumgoers inflected by the literary tradition? If we are to read Stendhal’s reaction against the grain of its overt propositions, a more complex picture of its clinical appropriation by Magherini begins to take shape—aesthetic participation and its aftermath thus become a function of their oft-elided historical conditions.Through a close reading of Stendhal’s account in the 1826 edition of Rome, Naples et Florence of his experience with Volterrano’s frescoes, I will argue that it is far more productive to frame cases of extreme artistic reaction as archives of contemporary artistic reaction.

Esposito, Elena

To Personalize or to Be Personalized? Individual Identity and Digital Profiling

Whereas traditional mass media communication is anonymous, communications on the web are increasingly personalized. As a lively debate points out, personal addressability by machines is different from personal reference in analogic communication. But how is this the case, and with what consequences for the possibilities of self-realization and personal autonomy of users? I address the debate focusing on the unprecedented combination of anonymity and personal reference in digital communication, and argue that the participation of algorithms in communication raises new issues about the meaning of personalization in general, and about the role of the receiver. To investigate this hypothesis, I focus on two different (potentially complementary) forms of algorithmic profiling: those identifying specific groups of users through collaborative filtering, and those addressing the situation of singular users through context- oriented systems. The outcome, I argue, is one of unprecedented combinations of the profiling of individuals and of their active intervention.

Lury, Celia

Hey you! Pronominalism and the Popular

In an interdisciplinary study of personalisation across the fields of digital culture, health care and data science, we have found that the long-standing process of 'making up people' described by Ian Hacking often makes use of pronouns: for example, People Like You, #JesuisCharlie, #MeToo, MyUniversity, and PatientsLikeMe. This paper explores the ways in which pronominalism operates across a variety of genres of participation, with a close discussion of specific examples to show some of the variety of ways in which participation and the popular are linked in pronominal practices.

Virchow, Fabian

Rechter Glaube? - Wie die populistische und extreme Rechte auf Christentum und Kirche schaut

Die extreme und populistische Rechte in Deutschland bezieht sich vielfach auf das 'christliche Abendland', das es zu verteidigen gelte. Gegenüber den Kirchen ist die Bewertung freilich sehr kritisch; in entsprechenden Positionierungen werden christlich-religiöse und kirchliche Denkfiguren und Argumentationsmuster mit dem Ziel aufgerufen, einer Pluralisierung, Modernisierung und ‚Politisierung‘ der evangelischen Kirchen entgegenzuwirken und ein ‚traditionelles‘ Verständnis zu stärken. Entsprechend konflikthaft sind manche Interventionen.

Kopanski, Reinhard Dr.

Verweigerte Partizipation? Abgrenzungen und konservative Verharrungsmuster evangelikaler Christ:innen in populärer Musik

Populäre Christliche Musik (PCM) ist ein wichtiges gesellschaftliches Phänomen und zugleich ein Millionenmarkt, in dem ein Netzwerk von Labels, Musikproduzent*innen, Bands und Musikmagazinen aktiv ist. In praktisch allen Stilrichtungen der populären Musik gibt es christliche Solokünstler*innen und Bands, die in Deutschland zwar selten in den Charts vertreten sind, deren Musik jedoch für gläubige Christ*innen im Allgemeinen und für die evangelikale Bewegung im Speziellen von erheblicher Bedeutung ist. Dass populäre Musik von Musiker*innen seit vielen Jahrzehnten unter anderem dazu verwendet wird, politische Einstellungen unterschiedlicher Couleur zu transportieren, ist bekannt. Eine potenzielle Verbindung von Musik und Politik in der PCM blieb bislang jedoch mit Blick auf Deutschland wissenschaftlich unbeachtet. In diesem Vortrag wird der Frage nachgegangen, ob und in welchen Formen sich strikt konservative (gesellschafts)politische Haltungen evangelikaler Christ*innen (z.B. Ablehnung von Homosexualität, patriarchales Verständnis von Geschlechterdifferenz, Ablehnung anderer Religionen), die sichtbare punktuelle Überschneidungen zu rechtspopulistischen Positionen beinhalten, in musikalischen Praktiken niederschlagen. Auf Basis von Primäranalysen und der Analyse diskursiver Repräsentationsformen ausgewählter Bands bzw. Musiker*innen aus dem deutschsprachigen Raum soll diskutiert werden, inwiefern es Musiker*innen aus der Populären Christlicher Musik unter Berufung auf die Religion als Grundlage ihres Handelns gelingt, sich der Partizipation (im Sinne eines Involviert-Werdens in Praxisvollzüge) und einer Vereinnahmung durch politische Akteure zu entziehen.

Heath, Allyn; Siedeck-Strunk, Stefanie; Teigeler, Lena

Rechtfertigungslogiken des Nichtpopulären - Beobachtungen aus verschiedenen Forschungsfeldern

Allyn Heath befasst sich mit der Kritik an literarischem Kitsch in der entstehenden ‚Massengesellschaft‘ der 1950er und frühen 1960er Jahren der BRD. Dort wird Kitsch als bildungsschädigend dargestellt und seine Tauglichkeit als wissenschaftlichen Gegenstand hinterfragt. Hierbei unterstreichen die Wissenschaftler_innen ihre Rolle in der Auswahl und Auslegung von kulturellen Objekten.“

Jung-Stillings Beschreibungen und Theorien zu dem in der Romantik so populären Thema der Geistererscheinungen und Gespenstergeschichten erschlossen ihm einerseits eine breite Leserschaft, andererseits brachten sie ihm die Kritik und das Gespött der protestantischen Orthodoxie und der aufgeklärten Literaten ein. Stefanie Siedek-Strunk stellt in ihrem Beitrag einige dieser Abwehrreaktionen und die darin enthaltenen Rechtfertigungslogiken vor.

Lena Teigeler beschäftigt sich mit der frühen Problematisierung von Twitter-Bots durch User_innen in einem Fan-Wiki und mit der Frage, inwieweit diese ablehnenden Positionen den späteren Diskurs über Twitter-Automatisierung geprägt haben

Mattos Avolese, Claudia

Colonial Fictions: popular culture and indigenous activism in Denilson Baniwa’s digital collages

This paper will discuss the relations between popular culture, media, and activism in the work of indigenous artist and performer Denilson Baniwa. It will focus particularly on the series “Colonial Fictions” in which the artist, uses digital image manipulation to introduce characters from popular sci-fi movies into ethnographic photographs reproduced in the first volume of Theodor Koch-Grünberg’s book Von Roraima zur Orinoco (1917). The paper will analyze the work as part of Denilson's wider artistic project, which centers on shifting historical perspectives to increase the agency of indigenous peoples in Brazil. It will discuss how the artist appropriates popular culture produced in different media - photography, sci-fi film, and the proliferation of the digital image - to rewrite historical narratives and affirm indigenous participation in history.

Saka, Erkan

When does the political trolling work? Targetting internal enemies

This presentation is based on a 6-year-long study on Turkey’s pro-government political trolls, Aktrolls. I have monitored and published on the evolution of Aktrolls before. In the long run, I had argued that Aktrolls’ success towards the anti-government critics is questionable at best. Despite allegations of intense bot usage and “social media armies”, the government could not achieve domestic hegemony on social media communications and it went back to the old practice of censorship and restrictions: New regulations on social media and more pressure on social media companies. However, it seems that trolling activity may be more effective towards those who are seen as former allies and now turn out to be undesirables. Thus I switch my focus on how Aktrolls can play a significant role in un-popularising the persons who are labeled internal opponents. There are several categories of undesirables and I intend to cover many of them during the presentation but the theological disputes will be the primary agenda. Several theology professors in Turkish universities were targeted because of their allegedly non-Sunni or “deistic” arguments. At least one of them, Prof. Mustafa Öztürk , decided to leave Turkey. The others include Prof. Mehmet Azimli and Cemil Kılıç. After describing how the attacks are formulated and circulated, I will argue why these campaigns succeed and how it serves the ideological consolidation. However, in other examples, such anti-vaccination and women give up headscarves, the success is limited. The limitations, on the other hand, I argue, the limits of consolidations and political trolling.

Treré, Emiliano

Logics of the popular in the datafied age: illusion, resistance, and ambivalence

In this talk, I scrutinize the implications of diverse logics of the “popular” that defines the datafied age. First, I address the artificial and automated construction of popularity that is now part of the repertoire of contemporary digital politics and that has been addressed as a way of being “popular with the robots” (Filer and Fredheim 2016). This first logic conceives algorithmic media as tools that can amplify and artificially boost the profiles of specific politicians, parties, and institutions to create an illusion of consent around controversial political positions, or to hinder political dissent, silence, and fracture critical voices. Then, I reflect on “popular communication” understood in line with Suzina (2021) as a process guided by a bottom-up approach, a strong connection with social struggles, and an alternative configuration to conventional media. I illustrate how recent social movements have also effectively engaged in forms of algorithmic resistance and activism that see data and algorithms as opportunities to amplify their visibility and popularity. These two logics of the popular are not so starkly opposed as it would seem, but rather part of a complex battleground of contrasting forces, ambivalences, and different moral economies (Bonini and Treré 2023) that define our algorithmically infused societies (Wagner et al. 2021). My intervention converses with recent attempts to bridge studies on algorithms and theories of the popular (Siles, Gómez-Cruz and Ricaurte 2022) as well as the field of critical data studies and the meanings and implications of data justice (Dencik, Hintz, Redden and Treré 2022).