Das „Popu­läre der Ande­ren“: Das Vulgäre zwischen Norma­ti­vi­tät und Zuschrei­bung

C Populismen
C03

Wie vulgär! Mit dieser Zuschreibung kommen zwei Wertungsdimensionen in den Blick, die beide wenig rühmlich sind. Vulgarität verweist gleichermaßen auf ästhetische wie moralische Defizite, mithin auf fehlenden Stil. Festgemacht wird diese Minderwertigkeit an der Herkunft aus dem einfachen, breiten, gemeinen Volk – dem römischen vulgus. Dennoch finden sich in der abendländischen Kulturgeschichte eine Vielzahl von Darstellungen, die sich dem Vulgären verschreiben und diese mit moraldidaktischen Zwecken versehen. In der Frühen Neuzeit, so soll rekonstruiert werden, ist das mit entsprechenden poetologischen und rhetorischen Lizenzen auch weitestgehend unproblematisch. Erst mit der Wende zum 19. Jahrhundert – mit der Aufwertung des Populären – erhält das Vulgäre seine bis heute gängige, eindeutig pejorative Semantik. Indem das Projekt versucht das Vulgäre über stilistische Einhegungen zu begreifen, rückt ferner die Frage nach dem Verhältnis von Vulgarität und Populismus in den Fokus. In beiden Fällen handelt es sich um unerwünschte und damit abzulehnende Beachtungserfolge. Das Vulgäre ist das Populäre der Anderen, von dem man sich distanziert.

Publikationen

Tran­szen­dier­ter Pop (2018)

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